Mittwoch, 23. November 2016

Viel mehr als Traurigkeit

... so lautet der Titel der gestrigen 37° Reportage im ZDF. Thema, na klar, Depressionen. 
Ich finde den Titel irreführend und ärgerlich, weil Traurigkeit wenigstens ein Gefühl ist. Und die Depression bei mir so oft alle Gefühle einfach abschaltet, glücklich und traurige, einfach alle. Übrig bleibt dann das, was Michael Ende in der unendlichen Geschichte mit dem "nichts" perfekt beschreibt. Und das macht es so wahnsinnig anstrengend. Nach 15 Jahren kann ich für mich sagen, ich kann alle Gefühle irgendwie aushalten. Unerträglich ist dieses nicht-fühlen, nicht-sein, nicht-können. DAS macht den Gedanken, dass die Welt ohne einen selbst darin eine bessere wäre so verlockend, wenn es dunkel wird. 

 Der Ort, an dem ich es auch aushalte, wenn es dunkel ist innendrin. 


Die Reportage selber fand ich so naja geht so. Wie häufig bei diesem Format, wurden zwei Protagonisten eine Weile begleitet: ein Familienvater Ende 40, der erst mit Burn Out fehldiagnostiziert wurde und nach einem Suizidversuch lernt, mit der Erkankung umzugehen. Und eine Bloggerin Ende 20, die seit mehreren Jahren mit derselben Diagnose lebt, wie ich selbst. Rezidivierende depressive Episoden.

Das war schon gut gemacht, blieb aber letztlich, auch aufgrund der Kürze des Sendeformats, ziemlich an der Oberfläche. 
Zwei Dinge haben mich sehr berührt: die Erkenntnis der Bloggerin, dass die Krankheit eben Teil ihres Lebens ist, und wohl immer sein wird. Ich weiß das selber, und auch schon eine Weile. Aber ich versuche jedes Mal, wenn es wieder hell wird, das zu vergessen. Hier ist es gerade nicht wirklich hell. Und in dieser Phase bringt mich die Tatsache, dass das so ist, dass es immer so sein wird, und dass ich nichts tun kann, um das zu verhindern, ziemlich zur Verzweiflung. Der schwarze Hund ist mal kleiner, und auch mal verreist. Aber er kommt wieder, zuverlässig, ohne Vorankündigung und ohne zu fragen. Ganz egal, was ich tue.
Es geht mir nicht gut damit, gerade. Denn hier ist es schon so lange so mitteldunkelhellgrauschwarz. Und das Medikament, mit dem ich gerade versuche, das Licht heller zu drehen, ist nicht das richtige. Es hilft nicht, nachdem ich erst dachte, das sei anders. 

Der andere Aspekt, der mir sehr zu schaffen macht, viel mehr noch, als die zuverlässige Wiederkehr, ist, dass Kinder niemals unberührt bleiben können von einer solchen Erkrankung. Die Kinder des Familienvaters aus der Reportage sind in Therapie, alle drei. Um mit der Krankheit des Vaters leben zu lernen. 
Das hat mich volle Breitseite erwischt. Ich bin immernoch so naiv, dass ich glaube, unsere Kinder mit meiner Erkrankung nicht belasten zu müssen in einem Maß, dass es sie so beschäftigt, dass sie vielleicht Hilfe brauchen damit. Seit gestern habe ich große Zweifel daran. 
Immerhin, das macht mich zumindest traurig. Was ja wenigstens mal ein Gefühl ist. 

Wer nachgucken mag: